Review zur ersten Social Innovation Night Freiburg

Apple hat Donnerstag Abend seine neuen MacBooks vorgestellt.

Ein Hype, der – ob es stimmt oder nicht – subjektiv gefühlt irgendwie abflacht. Wieder ein neuer Computer, der nur mit einer riesigen Menge an Geld zu finanzieren ist. 

Das sich Apple an dem Termin der Social Innovation Night orientiert, hat mich dann aber schon ein wenig verwundert. OK, sie wollten ein wenig Glitter von uns abbekommen.

Grundsätzlich zeigt es aber die Bedeutung des Abends 😉

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Innovation = technische Entwicklungen?

Nein, ernsthaft habe ich das Gefühl, dass es bei der gesellschaftlichen Sicht auf Innovation zuallererst um Technik zu gehen scheint.

Technische Innovationen stehen im Vordergrund, werden finanziert, werden gehypt, werden vorangetrieben mit einem wahnsinnigen Aufwand. Schon allein vor dem Hintergrund zunehmenden Ressourcenverbrauchs stellt sich aber die Frage, ob dies der richtige Weg sein kann. Und ganz ehrlich:

Eigentlich geht es doch um die Menschen, oder? Menschen, die irgendwie in Beziehungen sind, aber gleichzeitig das Gefühl haben, dass mit ihrem Leben, ihrer Umgebung, ihren Arbeitsplätzen usw. irgendetwas nicht ganz in Ordnung ist.

Oder kurz:

Aus meiner Perspektive ist es deutlich unrelevanter, welches tolle Telefon oder welchen Computer ich besitze (auch wenn mir Technik Spaß macht).

Soziale Probleme werden zu sozialen Innovationen

Viel spannender sind die sozialen Herausforderungen, die mit dem permanenten Veränderungen, denen wir uns heutzutage gegenüber sehen, einhergehen. Welche Möglichkeiten bringt bspw. die Digitalisierung für die Soziale Arbeit? Wie nimmt man die Menschen mit auf dem Weg dieser Veränderung? Was macht das mit den Menschen? Und wie löst man heutige, zunehmend drängender auftretende Soziale Probleme?

Hier kann jeder – auch ohne tausende von Euro – tausende Fragen stellen und tausende Möglichkeiten auftun und überlegen, wie sich Gesellschaft positiv verändern lässt. Und dabei spielen Soziale Organisationen eine bedeutende Rolle, auch wenn diese Rolle noch nicht immer so nach außen vertreten wird.

Innovation oder konkret: Soziale Innovation ist hier an jeder Ecke möglich, wenn wir es schaffen, die sich ergebenden Möglichkeiten als Chance zu nutzen!

Es sind Bedingungen für Innovationen gestaltbar

Wichtig bei Innovationen ist es, dass diese nicht planbar sind. Ich kann noch so lange duschen, mir fällt nicht zwingend irgendeine tolle Idee ein. Das kann passieren, ist aber höchst selten und ein kausaler Zusammenhang besteht nicht. Innovationen sind nicht planbar, aber, und das ist mein eigentlicher Beweggrund, die Social Innovation Night zu initiieren:

Es sind Bedingungen gestaltbar, in denen Innovation gedeihen können.

Vernetzung als eine Bedingung

Und eine gestaltbare Bedingung für Innovation ist die Vernetzung mit anderen Menschen, anderen Denkweisen, neuen Impulsen, anderen Organisationen. Interdisziplinäre Vernetzung, Austausch in nicht vorgegebenen Rahmen, ohne Vorgaben, ohne konkrete Zielsetzung.

Grünhof als Möglichmacher

Ich bin vor einigen Monaten auf den Grünhof zugegangen und hab gefragt, ob so eine Veranstaltung möglich ist. Der Grünhof hat sich damit auf ein Experiment eingelassen:

Bekommt man in Freiburg mit einem „unstrukturierten“ Vorgehen und dann noch aus dem Sozialen Bereich, die Bude voll? Faszinierend zu sehen war:

Man bekommt!

Danke damit auch an dieser Stelle für Euer Vertrauen in die ganze Geschichte! Aber neue Wege zu gehen ist ja quasi Euer Geschäftsmodell. Im Zusammenhang mit dem Grünhof ist auch noch der Volksbank Freiburg zu danken, die uns ein Budget zur Verfügung gestellt hat, mit dem das Marketing für den heutigen Abend finanziert werden konnte.

Die Menschen im Mittelpunkt

Boahhhh, ist der Satz ausgelutscht!

Menschen im Mittelpunkt.

Aber, so jedenfalls mein Gefühl: Wir haben es geschafft, die Menschen und deren Projekte in den Mittelpunkt des Abends zu stellen, oder?

Übrigens war es auch nicht geplant, das die Social Innovation Night komplett ausgebucht sein wird. Etwa 80 Menschen, die sich in irgendeiner Form für Innovation und die Soziale Arbeit interessieren. das hat meine kühnsten Träume völlig übertroffen. Dafür noch einmal an dieser Stelle:

Danke an die Besucher, die ihr diesen Abend möglich gemacht habt. Ohne Besucher wäre es wohl nur der halbe Spaß gewesen, vom Sinn der Veranstaltung ganz zu schweigen.

Die ReferentInnen als ErMUTiger

Im Zentrum des Abends aber standen die vier Menschen, die Ihre Projekte vorgestellt haben.

Irgendwann im Frühling habe ich die Menschen kontaktiert, angeschrieben und angerufen mit der Frage, ob sie sich vorstellen können, irgendwas hier im Rahmen einer ungezwungenen Veranstaltung zu präsentieren.

Ohne Vorgaben, ohne ein Überthema, ohne zu wissen, ob der Abend überhaupt zustande kommt.

Und die vier Menschen, die ihre Projekte vorgestellt haben, haben sich darauf eingelassen.

Neben einer gewissen Verrücktheit zeigt das in meinen Augen vor allem den Mut, neue Wege gehen zu wollen, den Mut, Risiken einzugehen, ohne zu wissen, wie denn der genaue Ausgang des unsicheren Vorhabens aussehen wird. Ohne einen Plan B, ohne Backup, ohne Hintertür. Das Ganze dann auch noch ehrenamtlich, ohne einen direkten „Gewinn“.

Wenn Innovationen möglich werden sollen, dann ist dieser Mut, diese Verrücktheit wohl wesentlich. Ohne Risiko wird nichts Neues entstehen können.

Dafür noch einmal meinen ganz herzlichen Dank, auch an dieser Stelle!

Die Inhalte

In den Abend eingeführt hat dann Jörn Schinzler, der – ganz kurz gefasst – die Pflegebranche in Deutschland umkrempeln will. Jörn ist damit eigentlich das perfekte Beispiel für den Abend: BWLer, Berater, Unternehmer, der sich jetzt dem Aufbau einer ambulanten Pflegeorganisation  – Ich und Du Pflege – am Beispiel der niederländischen Pflegeorganisation „Buurtzorg“ widmet. Um es kurz zu halten: Die Verbindung von Menschlichkeit, Ganzheitlichkeit, Selbstorganisation in Kombination mit einer deutlich höheren Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit mit dem finanziellen Erfolg für die Organisation wie das Gesundheitswesen im Allgemeinen sprechen Bände. Jörn stellt die Organisationsstrukturen und die Wege vor, Mitarbeiter in diese neue Art von Arbeit zu integrieren. An dieser Stelle, lieber Jörn, wünsche ich Dir alles Gute für den Weg! Und an alle Leser, auch aus dem pflegerischen Umfeld: Jörn sucht mutige Mitstreiter, die die gesetzlichen Bedingungen als Pflegekräfte erfüllen. Wenn Ihr also Lust habt, neue Wege zu gehen, meldet Euch bei ihm.

Diana Bäuerle ist dann im Anschluss auf das Christophorus Jugendwerk und im speziellen auf die Flex-Fernschule eingegangen. Für mich war einerseits die Begeisterung spürbar, mit der Diana ihre Arbeit macht. Für mich war auch spürbar, wie sehr sie die Möglichkeiten schätzt, die die Organisation ihr, mit oftmals innovativen und mutigen Ansätzen, bietet. Für mich war aber vor allem ihre Botschaft an den gesamten sozialen Bereich spürbar: Seid mutig! Verkauft Euch nicht unter Wert und stellt den Wert Eurer Arbeit heraus. Das das nicht immer in ausreichendem Maße passiert, liegt vielleicht irgendwie in der Berufsidentität der Sozialarbeiter verankert. Aber, Diana, ich bin da voll bei Dir: Hier müssen wir dran arbeiten, da ich auch davon überzeugt bin, dass der Wert Sozialer Arbeit für die Gesellschaft enorm ist.

Nach einer kleinen Pause berichtet Georg Böckenförde dann genau von diesen innovativen Ansätzen des Christophorus Jugendwerks. Georg unterrichtet als Realschullehrer an der Erich Kiehn Schule in Oberrimsingen ausschließlich Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge. Er stellt einerseits das Konzept vor und zeigt andererseits die Entwicklungen der Zahlen unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in den letzten Jahren bis heute für Freiburg und Umgebung. Spannend dabei ist, welche Herausforderungen mit der Beschulung der Menschen einhergehen, aber auch, welche Kompetenzen diese mitbringen. Der Einwurf aus dem Publikum eines Mitarbeiter einer stationären Wohngruppe zeigt dies recht eindrücklich: „Es ist schön, einen Jugendlichen in der Gruppe zu haben, der das tägliche Abendessen wertschätzt und sich bedankt für die Möglichkeit, bei uns zu wohnen.” Nur als aktueller Einschub: Die geplante Gesetzesänderung wirkt vor den Ausführungen von Georg noch absurder, als sie ohnehin schon ist…

Der Abend schließt dann wieder mit einem Blick auf die Organisation. Gabriele Mutter stellt das seit seit 1982 existierende Konzept des Wohngruppenverbundes Freiburg vor. Die sehr individuelle, selbstverantwortliche und familiäre Art der Zusammenarbeit ist gerade für Menschen, die es gewohnt sind, in „etablierten“ Organisationen der Sozialwirtschaft zu arbeiten, nicht ganz leicht nachvollziehbar. Aber es wird deutlich, dass die Art der Arbeit zu einer enormen Mitarbeiterzufriedenheit führt, die ihresgleichen sucht. Übrigens sucht auch der Wohngruppenverbund immer wieder engagierte Mitarbeitende…

Fazit?

Zusammenfassend ist die erste Ansage:

Danke Euch allen für den gelungenen Abend. Es hat richtig Spaß gemacht! Und nach zwei Bier war ich dann auch etwas entspannter 😉

Die zweite Ansage ist:

Wir werden das wiederholen. Somit an dieser Stelle die Aufforderung an euch:

Wer jemanden kennt, der jemanden kennt, der (und immer natürlich auch die) gute, innovative Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft leistet, der neue Projekte auf den Weg gebracht hat oder der andere Arten der Zusammenarbeit lebt, immer her damit!

Nehmt Kontakt auf über den Blog, Facebook, Twitter, XING, whatever… 

Wir stellen den Rahmen, wir liefern die Vernetzung, aber beim Inhalt sind wir auf eure Mithilfe angewiesen.

Ich freu mich drauf!

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