7 Artikel und Initiativen für neue Arbeit

Neue Arbeit
Im Zuge der Beschäftigung mit der Frage nach neuen Organisationsformen und Überlegungen, wie Arbeit in Zukunft wahrscheinlich gestaltet sein wird, habe ich im letzten Beitrag das beeindruckende Buch von Frederic Laloux vorgestellt. Dabei habe ich versucht, einen Bezug zu Organisationen der Sozialwirtschaft herzustellen mit dem „Fazit“, dass die wesentlichen Merkmale des vorgestellten Konzeptes – Selbstmanagement, Ganzheitlichkeit und Sinn – gerade für Organisationen der Sozialwirtschaft und Fragen nach Steigerung von Professionalität, Zufriedenheit aber auch Wirtschaftlichkeit und Effizienz mehr als passend zu sein scheinen.

Die Arbeit der Zukunft – neue Arbeit

Und sonst so?

Aber: Wie sieht es sonst so aus? Gibt es noch mehr Ansätze, die sich in einer ähnlichen Richtung bewegen? Gibt es noch mehr Überlegungen, wie Arbeit in Zukunft gestaltet sein wird? Innovative Ansätze?

Im Folgenden will ich einige Artikel und Initiativen vorstellen, die in eine ähnliche Richtung denken.

Work und Life – ohne Balance

Der Beitrag von Thomas Mampel greift die Frage nach dem Unterschied, nach der Kombination von Arbeit und dem Leben auf. Er schreibt, dass er „ein starkes Gefühl von Glück und Dankbarkeit dafür verspürt, dass ich meinen Jobs, meine ‚Arbeit‘ so gestalten und erledigen kann, wie ich es tue.  Ich habe auch immer wieder neue Ideen und  ein inspirierendes soziales Umfeld. Ich bin ein Glückspilz. Warum also ‚Arbeit‘ und ‚Leben‘ trennen?“

Mit andere Worten: Warum soll man auf seine Work-Life-Balance achten, wenn beides zusammengeht? Wohl eine Traumvorstellung, leider meistens immer noch oft, oder?

Gibt es New Work überhaupt?

Lars Vollmer greift dann die Frage auf, ob es neue Arbeit -New work – überhaupt gibt: „Arbeit, bei der die Mitarbeiter, die am nächsten an einer Sache dran sind, eigene Entscheidungen treffen dürfen. Ja, nicht nur dürfen, sondern sollen! Arbeit, die so strukturiert ist, dass diejenigen etwas zu sagen haben, die es am besten können und die den größten Wertbeitrag liefern können. Und nicht diejenigen, die die formale Macht haben. Arbeit, die sinngetrieben ist, nicht profitgetrieben. Arbeit, die Freude macht  – gibt es das?“ Seine Schlussfolgerung ist, dass „wer hinschaut, allerorten neue Formen von Zusammenarbeit, neue Tätigkeiten, neue Organisationsstrukturen, mit denen Unternehmen und Menschen so arbeiten“ erkennen kann, so „dass sie mit den Herausforderungen unserer Zeit schlicht besser zurecht kommen. Nicht mehr und nicht weniger. Das heißt nicht, dass New Work in allen Unternehmen und bei allen Menschen vorkommt. Aber es gibt sowohl diese modernen Unternehmen als auch diese modernen Menschen und es werden immer mehr. Warum? Weil sie erfolgreicher sind!“

Und Lars Vollmer ist Mitinitiator von „intrinsify.me„, einer Plattform, die sich der Suche nach neuer Arbeit verschrieben hat, nach Organisationen, die andere Wege einschlagen, neue Wege, bessere und aller bisherigen Erkenntnisse nach auch erfolgreichere Wege.

Ein auf der Plattform erschienener Artikel formuliert es – in Bezug auf Mitarbeiterbeteiligung so: „Führungskräfte pflegen heute ein sehr feines Menschenbild. Niemand wird untergebuttert. Mitarbeiterbeteiligung ist angesagt. Weiß man doch aus der Change-Management-Lehre: Es flutscht, wenn man Betroffene zu Beteiligten macht. Oder? Und so wollen Führungskräfte heute nichts mehr allein entscheiden, sondern sie involvieren ihre Mannschaft, wo es nur geht.“ Nur – und dann wird es erst spannend – am Ende sind alle enttäuscht. Warum? „Was hier als Beteiligung daher kommt, ist letztlich mehr Schein als Sein. Das ist wie wenn Eltern mit Freunden die beste Schulform für den Sohnemann besprechen. Auch wenn man gemeinsam darüber gesprochen hat – die Verantwortung bleibt ja wohl bei den Eltern. Das Ganze dient nur dem Informationsaustausch – nie einer wirklich gemeinsamen Entscheidung!

Eine Entscheidung treffe ich nur ernsthaft, wenn es wirklich meine Entscheidung ist. Wenn ich weiß, dass ich auch Konsequenzen zu erwarten habe – positiv wie negativ. Dann – und nur dann – übernehme ich auch Verantwortung für diese Entscheidung. Sonst nicke ich letztlich nur ab – um die leidige Endlosdiskussion abzukürzen.“

Hier wird das Prinzip des Selbstmanagements angesprochen. Organisationen werden nicht mehr von oben geführt. Die Mitarbeiter, die Experten in der Sache, treffen wirkliche Entscheidungen, wenn es denn so ist.

Deutlich wird aber auch, dass es ein wirkliches Umdenken bedeutet: Manche wären wohl schon froh über Mitarbeiterbeteiligung, egal in welcher Form.

Oder Demokratie?

Immer wieder ist auch die Zeitschrift „brand eins“ spannend. Hier ein Artikel aus der letzten Ausgabe. Thema ist die Demokratisierung der Arbeit, wobei ich persönlich die Frage nach Demokratie in der Arbeitswelt eher kritisch sehe:

Bei einer knappen Abstimmung laufen eine Menge Menschen durch die Gegend, die mit der getroffenen Entscheidung alles andere als glücklich sind.

Oder doch nur Haus und Garten?

Gleichzeitig findet sich in der Brand Eins aber auch ein Interview, in dem die Selbstverwirklichung durch Arbeit – die New Work – kritisch hinterfragt wird.

„Was halten Sie davon?
Svenja Hofert: Ich finde das Konzept, das auf den Philosophen Frithjof Bergmann zurückgeht, sehr faszinierend und inspirierend. Ich habe allerdings das Gefühl, dass es in der alltäglichen Arbeitswirklichkeit der Menschen nicht sehr relevant ist. Das darf man natürlich nicht verallgemeinern, doch aus meinen Erfahrungen in den Unternehmen treiben die Menschen andere Themen um.

Welche sind das?
Sehr unspektakuläre. Sie schauen meist auf sich und das, was sie täglich bei der Arbeit erleben. Das ist sehr individuell, doch ich habe dennoch das Gefühl, dass die Menschen eine andere Arbeitswirklichkeit haben, als sich die Theoretiker vorstellen. Vor allem sehen die allerwenigsten ihre Arbeit tatsächlich als ganz und gar sinnstiftend an.“

Selbstbestimmung? Sinnstiftung? Selbstverwirklichung?

Grundsätzlich ist viel die Rede von Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung. Was mir ein wenig fehlt, ist die Frage nach Ganzheitlichkeit und dem Sinn der Arbeit, der Vision. Dazu gibt es natürlich viele Artikel, aber im Gesamtzusammenhang von Selbstbestimmung, Ganzheitlichkeit und Sinn ist die Landschaft noch etwas rar gesät.

Es lässt sich festhalten, dass sich etwas bewegt. Und das ist gut.  


Zum Weiterlesen:

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