Agile Organisationsmethoden in Organisationen der Sozialwirtschaft – geht das?

Die Arbeitswelt verändert sich. Das brauche ich nicht noch einmal groß auszuführen.
Nur noch einmal kurz, um den Rahmen aufzuspannen:
  • Die Komplexität der anfallenden Aufgaben nimmt zu.
  • Die Veränderungsgeschwindigkeit nimmt zu.
  • Trends wie die Globalisierung oder die Digitalisierung (be-)treffen auch Organisationen der Sozialwirtschaft.
  • Nachfolgende Generationen denken anders über den Wert von Arbeit und die Art des Arbeitens.
Zusammenfassend wird auch von VUKA gesprochen, einer volatilen, unsicheren, komplexen und ambivalenten Welt, in die wir hineingleiten oder in der wir (wahrscheinlich) schon längst leben.

Spannend ist dabei, wie sich die Organisationen der Sozialwirtschaft in einer volatilen, unsicheren, komplexen und ambivalenten Welt (mit-)verändern werden.

Wie kann man Organisationen und Arbeitsabläufe so gestalten, dass der Wandel der Arbeitswelt zu einer Chance für die Sozialwirtschaft werden kann?

Agil als Lösung?

Im Zuge der Diskussion um die Veränderung der Arbeitswelt sind Agile (Organisations-)Lösungen eine immer wieder aufkommende Thematik bezogen auf neue Arten der Zusammenarbeit.
Angeregt durch den lesenswerten Blog von Thomas Michl, der sich immer wieder mit Fragen der agilen Organisationsgestaltung befasst, habe ich mir die Frage gestellt, ob das nicht auch was für uns wäre.
Der Duden erklärt die Wortbedeutung von agil mit: „von großer Beweglichkeit zeugend, regsam und wendig“.

Wer will nicht beweglich sein? Agil? Regsam? Aber: Kommen da Gedanken an die eigene Organisation, die eigene Abteilung auf?

Die Frage, warum Organisationen regsam und wendig werden müssen, erledigt sich beim Blick auf die obigen Stichpunkte.
Der Versuch, in einer sich permanent verändernden Umwelt – wie ein Fels in der Brandung – stehen zu bleiben und „seinen Stiefel zu fahren“ wird früher oder später zum Untergang führen oder anders:

Wer nicht vom (alten) Weg abkommt, bleibt auf der Strecke! 

Aber: Was ist agile? Was ist darunter zu verstehen und vor allem: Macht das Sinn für Organisationen der Sozialwirtschaft?
Der Unterschied zu bisherigen Konzepten der Zusammenarbeit wird vielleicht am Ehesten anhand eines Beispiels deutlich:
Stellen Sie sich vor, Sie bekommen die Aufgabe, eine völlig neuartige Form eines Angebots (was auch immer das sein kann) zu entwickeln. Klassische Konzepte gehen davon aus, dass durch eine möglichst detaillierte Planung im Voraus die Kosten und der Aufwand bei der Durchführung des Projektes minimiert werden können. Es wird genau geplant: Was passiert wann, wer tut was wann, was sind die Meilensteine, wann ist der Projektabschluss etc. Und nach einer langen Phase der Planung geht es los, der Plan wird umgesetzt, es wird versucht, das Ziel zu erreichen.

„Die Krux dabei ist, dass niemand zu Beginn eines Projekts alle Eventualitäten bedenken kann. Manchmal ist noch nicht einmal sicher, ob die angestrebte Umsetzung tatsächlich die richtige Lösung zum vorhandenen Problem sein wird. Je größer und länger Projekte sind, desto schwieriger wird es, diesen Überblick zu behalten und daher häufen sich die meisten Probleme auch gegen Ende eines Projekts an – wenn das Hinwegsehen über Veränderungen immer schwieriger wird.“

Eine Alternative dazu wäre, anzufangen, vielleicht einen Prototypen des Angebots zu entwickeln, diesen zu testen, anzupassen, so dass er nach und nach immer mehr den Erwartungen der Klienten entspricht (sehr verkürzt dargestellt). Passieren kann dabei, dass man auf einmal ganz woanders herauskommt als da, wo ursprünglich mal das Ziel war.

Der positive Effekt aber wäre ein wirklich passendes Produkt, eine wirklich für die Klientel passende Dienstleistung.

Was wäre Ihnen lieber?
Eine agile Organisation
  • agiert stets mit dem Blick nach außen, statt sich in überbordendem Maß mit internen Prozessen zu beschäftigen.
  • steht ständig im Kontakt mit ihrem Netzwerk aus KundInnen und Lieferanten.
  • verbessert dabei ständig die eigene Lösungskompetenz für die Probleme des eigenen Netzwerks und
  • erschafft auf diese Weise neue Produkte.
  • betrachtet ihre Produkte als Lösungen für die Probleme ihrer KundInnen.
  • optimiert nicht lokale interne Prozesse, sondern optimiert aus der Sicht der KundInnen und hat dabei die gesamte Wertschöpfung im Blick.
  • gestaltet die Arbeit menschengerecht: also kreativ, anregend und sozial.
 OK, das wäre das Vorgehen und eine Beschreibung. Wie geht das aber konkret?

Agile Methoden 

 Ja, da gibt es so einiges. Wenn man „agile Methoden“ bei google eingibt, dann ergeben sich 268.000 Treffer. Da ist für jeden was dabei.
Zu nennen sind bspw. folgende (bekannte) Methoden, die ich hier nicht weiter erläutern will, weil andere das viel besser können:
Ein Vergleich verschiedener Methoden findet sich sehr ausführlich hier!
Ja, es bezieht sich alles so überhaupt nicht auf Organisationen der Sozialwirtschaft, das ist mir bewusst.
Aber es bleibt die Frage:

Können diese – meist aus der Softwareentwicklung stammenden – Methoden in Organisationen der Sozialwirtschaft mit einem wirklichen Mehrwert umgesetzt werden?

Ich plädiere hier eindrücklich NICHT dazu, Methoden einfach zu übernehmen (wenn das überhaupt möglich ist) und sich dann zu wundern, dass es nicht funktioniert. So, wie es leider immer wieder mit vielen Methoden der Betriebswirtschaft versucht wurde und wird. Die oft leidigen Diskussionen um Methoden des Qualitätsmanagements sind nur ein Bereich, der hier zu nennen ist.
Ich plädiere aber dafür, sich darüber Gedanken zu machen, wie die eigene Soziale Organisation zukunftsfähig aufgestellt werden kann, um mit sich verändernden Anforderungen umgehen zu können. Und da bieten (auch) agile Methoden und insbesondere die agile Denkweise Ansätze, die nutzbringend sein können.

Hier noch ein wenig zum Weiterlesen in der Thematik:

P.S.: Falls Ihr mehr über meine Gedanken zur Entwicklung der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft erfahren wollt, tragt doch einfach Eure Mailadresse oben ein. Ihr bekommt jeden Artikel umgehend in Euer Postfach.
Und: Über Feedback freue ich mich!

 

14 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

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  4. So, habe ein wenig dazu gelesen und gedacht. „Scrum“ selber erscheint eine sehr gute und nachhaltige Methode für die Softwareentwicklung zu sein, weniger als Konzept für Soziale Arbeit. Es sei denn, man modifiziert es, z.B. den Scrum Master. Ein gutes Thema ist in diesem Konzept „Selbstorganisation von Teams und Individuen“ mit entsprechend flachen oder Null-Hierarchien. Und wenn ich so an meine Arbeit in der Sozialpsychiatrie denke, so gibt es dort einen sehr feinsinnigen Prozess der Iteration, der fast in jedem Kontakt und der individuellen Hilfeplanung abläuft (Mehr Prozess, weniger SMART 🙂 ). Störend sind da manchmal gegenläufige Organisationsprozesse, die manchmal weniger „agil“ sind. Zum Thema agile Methoden bzw. Haltungen wie aus dem „Agilen Manifest“ ( http://agilemanifesto.org/iso/de/ ), denke ich, gibt es gute Anregungen. Die sind aber eben verbunden mit den Fragen des „Warum“ und des Was und des Wie. Und ich denke an Verbindungen zwischen „Lernender Organisation“, „Chaotischer Organisation“, „Reinventing Organisation, evolutionären Konzepten, als Lebens- und Arbeitsformen (wenn man es noch trennen will) der Zukunft. Ansonsten denke ich, das zuerst ein Thema/Problemlage da ist, man dann darum herum, wenn überhaupt, stimmige Organsationsformen, baut. Dieses vielleicht manchmal auch „nur“ noch virtuell. So ungefähr…

    • Lieber Torsten,

      jetzt echt mal etwas verspätet mein herzliches „Danke“ für deinen ausführlichen Kommentar und vor allem für deine weitere Beschäftiung mit dem Thema „Agile Organisationen“.

      In meinen Augen sind agile Methoden ein Schritt in Richtung der evolutionären Organisationen, wie Laloux sie beschreibt (da du sein Buch erwähnt hast, gehe ich davon aus, dass ich das nicht weiter erläutern muss 😉

      Ich denke, dass eine veränderte Denkweise (du beschreibst „Fragen des “Warum” und des Was und des Wie“) und die Auseinandersetzung mit den Methoden und Prozessen einer radikalen Neugestaltung von Organisationen im Hinblick auf die Zukunft der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft wirklich einen Quantensprung bedeuten könnten – auch wenn hier noch dicke Bretter zu bohren sind…

      Freue mich auf unseren weiteren Austausch!

      Beste Grüße aus der Hängematte… 😉

      Hendrik

  5. Ein spannender Beitrag und ich denke er setzt die richtigen Impulse. Unternehmen aus der Sozialwirtschaft sollten sich hier vllt. an Unternehmen orientieren, welche eine hohe Innovationsanzahl haben. Ein gutes Beispiel ist hier die Firma GoreTex zu nennen. Das Unternehmen weicht vollkommen von der klassischen betriebswirtschaftlichen Organisationsform ab und laut Theorie dürfte es nicht zu funktionieren. Tut es aber. Erfolgreich. Daher denke ich das soziale Unternehmen offener werden müssen und wie du bereits sagtest nicht einfach Konzepte zu kopieren. Da bietet sich eher das Try & Error Prinzip an, bis es passt. Aber auch dann muss weiter entwickelt werden, damit man immer am Ball bleibt.

    • Gebe dir vollkommen recht! Weitere Beispiele für „anders funktionierende“ Organisationen sind bspw. auch buurtzorg, eine niederländische Organisation im Bereich der Pflege oder die Heiligenfeldkliniken (einfach mal googlen). Lebendig werden als Organisation. Und das verstehe ich eben auch unter agil: regsam, wendig und lebendig…

      Spannend fände ich mal Beispiele aus dem dt. Sozialbereich, aber bislang kenne ich keine.. Du vielleicht?!

      Dir noch einen schönen Sonntag

      Hendrik

      P.S. Das Buch „reinventing organizations“ kennst du? Lohnt sich…

    • Das Buch kenne ich noch nicht, werde es mir gleich mal anschauen.

      Agiles agieren wird definitiv die Zukunft sein. Wir müssen in allen Bereichen der Wirtschaft den Weg finden, dass die Strukturen sich immer weiter entwickeln und neue Ideen einfließen können und diese auch getestet werden können. Natürlich kann man dies als Unternehmer alleine nicht leisten, man benötigt auch die passenden Mitarbeiter dazu, damit dem Unternehmen „Leben eingehaucht“ werden kann. Ich denke aber dass wir dies hier ähnlich sehen .

  6. Ein interessanter Beitrag. Hatte ich doch vor kurzem ein Buch über Scrum ausgeliehen, nachdem ich in einem coolen Informatik-Unternehmen (oose.de) den Film „Augenhöhe“ sah und in der darauf folgenden Diskussion etwas über agile Methoden wie Scrum hörte. Nun kenne ich mich auch nicht in diesem Bereich aus, weis aber ein wenig etwas darüber, wie soziale Unternehmen oder Teams an Projekte für ihre Kunden und/oder KlientInnen herangehen. Lese dann doch nochmal tiefer zu beschriebener Thematik. Danke für die erneute sonntägliche Inspiration.

    Freundliche Grüße von Torsten, aus Hamburg

    • Aber gerne! Würde mich freuen, wenn du deine eindrücke hier schildern könntest… Schönen Sonntag noch! Hendrik

    • Lieber Lothar, würde den Kommentar jetzt einmal als kritisch einstufen… 😉 trotzdem danke dafür!

      Im Grunde gebe ich Dir recht. Auch für mich war die Beschäftigung mit dem Thema eher „allgemein“ gedacht. Alles andere ist auch in einem Beitrag wie diesem nicht leistbar, da die Thematik viel zu komplex ist, um mal eben so umfassend dargestellt zu werden. Aber ein Denkanstoß hilft manchmal auch, hoffe ich.

      Und: kennst du dich aus?! Kannst du mehr beisteuern als drei wenig aussagekräftige Worte?!

      Das würde mich dann wirklich freuen!

      Beste Grüße

      Hendrik

  7. Huh, echt was für Softwareexpert/innen. Da kenne ich mich nicht gut genug aus. Was ich aber beobachte ist, dass sich das Projektmanagement in den letzten 15 Jahren tatsächlich verändert hat, beeinflusst durch Schnellebigkeit und Wandel und auch durch mehr Offenheit für Experimente, leider zieht die Förderpraxis zum Beispiel der EU da überhaupt nicht nach. Das Projektmanagement müsste m.E. neu erfunden werden und die Arbeitsweise von Organisationen werden. Setzt aber eine gute interne Kommunikation und Vernetzung voraus. Social Media und andere software kann das sicher gut unterstützen. Ich glaube, dass viele Social Media Firmen so schön arbeiten.

    • Hey Sabine,

      Danke für deinen Kommentar. Bin mir nicht sicher, ob Softwareexperten die richtigen sind. Vielleicht eher „agile“ Experten.

      So bin ich mit dem Beitrag insofern unzufrieden, als dass er nicht mehr als ein Denkanstoß liefert. So macht das Thema wiederum ein enormes Fass auf, dass zu bearbeiten mit Sicherheit spannend, aber auch enorm aufwendig ist. Man müsste wohl ausprobieren 😉

      Dir aber noch einen schönen Sonntag und bis Donnerstag in Köln!

      Freu mich

      Hendrik

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