Leseempfehlung: Agile Evolution – eine Anleitung zur agilen Transformation

Anleitung zur agilen Transformation

Wie funktioniert selbstorganisierte Zusammenarbeit? Welche Schritte müssen wir als Organisation gehen, um endlich agil zu sein! Endlich flexibel, schnell, innovativ, whatever? Wie lautet denn nun die Anleitung zur agilen Transformation?

Diese Fragen – vielleicht in etwas abgeschwächter Variante – sind nicht nur nachvollziehbar, sie existieren tatsächlich und begegnen mir bei Vorträgen und Workshops immer wieder. Vielleicht hilft hier das neue Buch von Valentin Nowotny und Marko Lasnia, das nunmal explizit – zumindest im Titel – von der “Anleitung zur agilen Transformation” spricht? Und neues Buch insofern, als ich bereits von einiger Zeit das Buch “Agile Unternehmen – nur was sich bewegt, kann sich verbessern” von Valentin Nowotny gelesen und hier rezensiert habe.

Anleitung zur agilen Transformation

Jetzt also die “Anleitung zur agilen Transformation” – ein ziemlich hehres Ziel, wenn man aus systemischer Perspektive auf die sich selbst organisierenden Veränderungen sozialer Systeme blickt.

Das Buch “Agile Evolution” untergliedert sich in die vier großen Teile:

  1. Warum sich Unternehmen modernisieren müssen
  2. Die ersten vier Schritte zur agilen Transformation
  3. Das smarte Team-Lern-System Scrum
  4. Die ScruMa GmbH wird agil. Ein Happy End?

Kapitel 1 fokussiert auf die grundlegenden Fragen: Warum und wozu ist eine agile Transformation bestehender Unternehmen eigentlich sinnvoll? Aber spätestens Kapitel 4 lässt aufhorchen:

Was bitteschön, ist die ScruMa GmbH?

Und hier liegt die Besonderheit des Buchs:

Geschichte einer agilen Transformation

Valentin Nowotny und Marko Lasnia bauen das Buch an der agilen Transformation einer (wahrscheinlich nicht immer) fiktiven Organisation auf. Das Buch erzählt damit eine Geschichte. Hier kann man – sozialisiert in wissenschaftlicher Literatur – ggf. skeptisch sein: Eine Geschichte? Kann eine Geschichte die zu transferierenden Inhalte überhaupt weitergeben? Ganz ehrlich: Ja, das geht! Das geht sogar viel besser als in einem angeblich so logischen Aufbau wissenschaftlicher Literatur.

Komplexität sichtbar machen

So ist das Vorgehen bei der agilen Transformation einer Organisation eben oftmals nicht logisch. Hier agieren Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen, Menschen- und Rollenbildern, unterschiedlichen Ängsten und damit auch unterschiedlichen “Logiken”, was wiederum zu Schleifen im Vorgehen der agilen Transformation führt.

Schleifen? Iterationen?

Kennen wir doch, wenn wir über agiles Arbeiten nachdenken? Ja, genau: Eine agile Transformation einer Organisation kann nur in einem agilen Vorgehen gelingen. Zum einen aufgrund der skizzierten menschlichen und damit komplexen Rahmenbedingungen und zum anderen, um direkt an der eigenen Organisation zu lernen.

Die von Valentin Nowotny und Marko Lasnia zur Verfügung gestellte “Anleitung zur agilen Transformation” entpuppt sich damit viel weniger als Rezept denn als Beschreibung von Methoden zum “Kochen, mit dem, was im Kühlschrank ist”.  Dieses aus der Beschreibung der Methode “Effectuation” entliehene Bild des Kochens beschreibt es recht gut:

Ein Rezept gelingt unter komplizierten, jedoch gleichbleibenden Bedingungen: Ich kann durch Planung und Steuerung (Einkauf) ein (zumindest im wesentlichen) immer gleiches Produkt (Essen) generieren. Unter komplexen Bedingungen (keine Zeit zum Einkaufen, trotzdem Hunger) funktioniert dieses Vorgehen nicht mehr, man muss mit dem zurecht kommen, was im Kühlschrank ist.

Diese Situation findet sich – übertragen auf den organisationalen Kontext – viel häufiger, als die vorab plan- und damit steuerbaren Situationen, insbesondere in der “sozialen” Arbeit mit Menschen.

Übertragbarkeit

Zurück zum Buch:

Die von den Autoren beschriebenen Situationen, als Beispiel die Skepsis des etwas älteren Firmengründers, der seine Firma in die Hand seines Sohnes gibt, lassen die/den Leser*in mitfühlen, welche Herausforderungen aber auch Chancen in der agilen Transformation der Organisation liegen. Darüber hinaus gefällt mir persönlich auch, dass die ScruMa GmbH keine “Softwareschmiede” ist, sondern sich einer klaren Dienstleistung – der Personalvermittlung von gut ausgebildeten Fach- und Führungskräften – widmet. Die Übertragung auf soziale Organisationen fällt damit recht leicht. Gleichzeitig aber wird im Buch die Gesamtkomplexität einer agilen Transformaton nicht verleugnet oder kleingeredet. Eine (erfolgreiche) agile Transformation bedeutet auch das ganzheitliche Infragestellen der bisherigen Vorgehensweisen, bis hin zum Geschäftsmodell.

Kleines Fazit

Diese holistische Infragestellung des Geschäftsmodells oder besser noch der Organisation wiederum – vielleicht als kleines Fazit – muss auch für soziale Organisationen in Zeiten der digitalen Transformation ins Zentrum rücken, wenn, ja, wenn auch soziale Organisationen zukünftig lebensfähig bleiben, einen Nutzen für ihre “Kund*innen” generieren und nicht zwischen Digitalisierung, Fachkräftemangel und Ökonomisierung zerrieben werden wollen.

Kurz: Lesenswert!


Hier können Sie das Buch übrigens käuflich erwerben!*

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