Innovation, Vernetzung und #schreibengegenrechts

Jetzt beschäftigt er sich auch noch mit den Nazis, der Epe…

Auf den ersten Blick ist das nun wirklich etwas seltsam:

Warum, bitte, und vor allem wie soll eine Verbindung zwischen den aktuell in Deutschland ablaufenden Entwicklungen (zu nennen sind bspw. AfD und Pegida) und einem Blog, der sich mit der Zukunft der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft beschäftigt, hergestellt werden? 

Kurz: Ich finde es einfach enorm wichtig, dass jeder von uns das in seiner Macht Mögliche unternimmt, die sich aktuell abzeichnenden Entwicklungen rechter Hetze und Gewalt (selbst in meiner Heimat, dem Sauerland, wurde ein geplantes Flüchtlingsheim von irgendwelchen Idioten angezündet) dahingehend zu beeinflussen, dass den Menschen in seiner je individuellen Umgebung deutlich wird, wie bescheuert, sinnlos und kleingeistig diese Art des Umgangs mit den zu uns kommenden Menschen ist.

Ich bin in dem Zuge über die Blogparade von Anna Schmidt gestolpert und habe lange überlegt, ob und wie ich einen Beitrag zu der in meinen Augen mehr als sinnvollen Aktion verfassen kann. Das will ich hiermit versuchen.

Innovationsfähigkeit und Vernetzung

Wie vielleicht ein paar von Euch mitbekommen haben, befasse ich mich aktuell und schon länger mit der Frage, wie Organisationen und insbesondere Organisationen der Sozialwirtschaft ihre Innovationsfähigkeit steigern können. Es führt hier zu weit, darzulegen, was konkret unter Innovationsfähigkeit zu verstehen ist. Ganz kurz gefasst geht es darum, zu schauen, welche organisationalen Bedingungen dazu führen, dass Organisationen (und damit die Menschen in den Organisationen) dazu kommen, neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Dazu bin ich im
Rahmen meiner Master-Thesis aktuell dabei, Bedingungen für Innovation herauszuarbeiten.

Und eine wesentliche Bedingung ist die Nutzung von Vernetzung der Organisationen mit anderen Organisationen und Menschen als Möglichkeit, auf breiteres Wissen zurückgreifen und damit externe Innovationsimpulse erlangen zu können.

Mit anderen Worten: Es macht wenig Sinn, im eigenen Saft nach neuen Ideen zu suchen.

Gesellschaft und Innovation

Das Ganze kann man jetzt etwas übergreifender betrachten: Mit Blick auf die zukünftigen Herausforderungen, denen sich unsere Gesellschaft gegenübersieht, lassen sich Entwicklungen absehen, die ich bereits einmal hier dargelegt habe.

Kurz nochmal wiederholt stehen wir vor der Herausforderung, mit Globalisierung, Digitalisierung, Individualisierung, Feminisierung, einem Wertewandel und insgesamt einer zunehmenden Flexibilisierung von Lebensentwürfen, so umzugehen, dass wir weiterhin als lebenswerte Gesellschaft existieren.

Hinzu kommen solche „unfassbaren” Phänomene wie der Klimawandel, der demographische Wandel oder nicht mehr steuerbare Wirtschaftskrisen. Die Umwelt, in der wir uns aktuell bewegen, könnte komplexer kaum sein.

Aktuell sehe ich keine politische oder wie auch immer geartete Gesamtstrategie, die sich mit diesen Themen ganzheitlich auseinandersetzt und wenigstens versucht, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Und was hat das bitte mit „Schreiben gegen Rechts“ zu tun?

In meinen Augen können wir als Gesellschaft, die vor den genannten Herausforderungen steht (oder sich schon mitten darin befindet), die Aufgabe annehmen, von den zu uns kommenden Menschen zu lernen. Mit – und da sehe ich Chancen ebenso wie Risiken besonders bei der Sozialen Arbeit – einer gelingenden Inklusion (danke für die Klärung der Begrifflichkeit an dieser Stelle an Heiko Kleve) der Menschen in unsere Gesellschaftssysteme, kann es, in meinen Augen jedenfalls, möglich werden, anstehende Themen, Entwicklungen und Trends mit einer ganz neuen Brille, einer interkulturellen Brille, zu sehen.

Es können sich, so meine vielleicht naive Hoffnung, innovative Lösungen abzeichnen, auf die wir „alleine“, in unserem eigenen Saft, mit unserer „deutschen“ Denkweise, niemals gekommen wären.

Mut!

Ja, das erfordert Mut! Das erfordert ein Einlassen auf Neues, ein Einlassen auf anderes, andere Kulturen, andere Menschen, andere Lebensweisen, andere Religionen usw.

Aber:

Ich bin davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft (inzwischen) stark genug ist, sich diesem Neuen zu öffnen. Die Idioten, die sich diesem anscheinend nicht gewachsen fühlen, sind (Gott sei Dank) noch so wenige, dass wir sie von der Stärke unserer Gesellschaft überzeugen sollten.

Glaubt eigentlich wirklich irgendjemand daran, dass man Entwicklungen aufhalten kann? Früher war alles besser, also spielen wir jetzt wieder früher? Das funktioniert nicht und das wird auch in Zukunft nicht funktionieren. Entsprechend sollten wir unsere Kräfte, Ideen, Möglichkeiten darauf fokussieren, zu überlegen, wie wir ein „morgen“ so gestalten können, dass es Spaß macht, hier, in diesem Land, zusammen zu leben.

Ehrlich gesagt: Auch wenn es sicher nicht einfach wird: Ich freu mich drauf!

Beruflich bin ich in den letzten Jahren in Gegenden dieser Welt unterwegs gewesen, die ich vor noch ein paar Jahren nicht auf meiner inneren Landkarte vermerkt hatte. Saudi-Arabian, Oman, Libanon, aber auch Rumänien, Litauen, bald vermutlich Ungarn. Länder, die zunächst nicht unbedingt als die beliebtesten Urlaubsziele anmuten. Das ist völlig nachvollziehbar. Ich will nicht – um nur das Extrembeispiel herauszugreifen – in Saudi-Arabien leben und werde dies auch niemals tun (hoffentlich).

Welt anschauen

Aber die Reisen in diese Länder haben meinen Horizont erweitert. Ich habe Menschen kennen lernen dürfen, die toll, faszinierend, engagiert, offen und noch so einiges mehr waren. Menschen, die sich, auf ihre Art und Weise, immer für die Zukunft ihres Landes eingesetzt haben. Der „Kulturschock“, der zwischen dem Flughafen in Jeddah und meiner Doppelhaushälfte im Kaiserstuhl liegt, ist unbeschreiblich. Gleichzeitig ist es unbeschreiblich, welche Möglichkeiten des (vor allem persönlichen) Lernens sich durch den Austausch mit anderen Menschen ergeben. Auch wenn die Reiserei mit nicht zu unterschätzenden Herausforderungen für meine Familie einhergehen (an dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön, an Dich Kerstin: Ich liebe Dich!), bin ich einfach sehr dankbar für die Erfahrungen, die mir diese Reisen ermöglicht haben.

In diesem Zusammenhang das aktuell oft verwendete Zitat, das Alexander von Humboldt zugerechnet wird:

Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben.

 Zusammenarbeiten

Abschließend noch ein beruflicher Aspekt, der in meinen Augen erwähnenswert ist:

Jeder hat schon mal von Bachelor- und Master-Studiengängen gehört. Nicht ganz so viele haben wahrgenommen, dass hinter der Einführung dieser Abschlüsse der Versuch steckt, ein europaweit vergleichbares System von Hochschulabschlüssen zu etablieren.

Neben der mehr oder weniger berechtigten Kritik an dem Gesamtsystem ist ein Ziel, die studentische Mobilität zu erhöhen, um so wiederum Lernen voneinander zu ermöglichen, was – so die Hoffnung – zu neuen, innovativen Lösungen für alle möglichen Probleme führen soll.

Für mich geht damit beruflich einher, dass ich in unterschiedlichen Netzwerken eingebunden bin, die sich mit der Gestaltung dieses „europäischen Hochschulraumes“ beschäftigen. Da sitzen dann Menschen aus zig unterschiedlichen europäischen Ländern zusammen und versuchen gemeinsam, unterschiedlichste Herausforderungen zu lösen (bspw. sind die Bildungssysteme unterschiedlicher Länder historisch bedingt oft nur sehr schwer vergleichbar).

Und alleine die Tatsache, dass wir uns in Europa befinden und die Möglichkeit haben, auf diese Art und Weise zusammen zu arbeiten, ist doch faszinierend! Das wäre noch vor ein paar Jahrzehnten in dieser Art undenkbar gewesen. Daraus ergeben sich unvorstellbare Möglichkeiten des Austauschs und der Zusammenarbeit!

Und mal ehrlich:

Da wollen einige Spinner Grenzen dicht machen? Auf Kinder schießen? Obergrenzen einführen? Unser Europa gefährden?

Wie blöd muss man eigentlich sein? Oder noch etwas platter Gernot Hassknecht:

Schaut mal hier und informiert Euch:

https://blog.campact.de/2016/03/steuern-bildung-hartz-iv-was-die-afd-wirklich-will

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Hendrik Epe, sicherlich hängt das alles miteinander zusammen.

    Stellung zu beziehen, ist meines Erachtens wieder ausgesprochen wichtig. Zu zeigen, Dass Du, dass WIR, da nicht mitmachen bezüglich der aktuell abzeichnenden Entwicklungen rechter Hetze und Gewalt. Wir Sozialarbeitenden habe Verantwortung zu tragen und fungieren auch als Vorbild. Denn wir stehen doch auf der Seite der finanziell Armen und Ausgegrenzten.

    Da ist jetzt, wie Du sagst, “Innovationsfähigkeit und Vernetzung” gefragt. Ich glaube auch an die Chance, dass unsere Gesellschaft (inzwischen) stark genug ist, sich diesem Neuen zu öffnen und sich anzupassen, damit es Spaß macht in unserem Land zu leben.

  2. “Glaubt eigentlich wirklich irgendjemand daran, dass man Entwicklungen aufhalten kann? Früher war alles besser, also spielen wir jetzt wieder früher? Das funktioniert nicht und das wird auch in Zukunft nicht funktionieren. Entsprechend sollten wir unsere Kräfte, Ideen, Möglichkeiten darauf fokussieren, zu überlegen, wie wir ein „morgen“ so gestalten können, dass es Spaß macht, hier, in diesem Land, zusammen zu leben.” … großartig … dankbare Grüße von Anna

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