Rezension: Rock Your Idea – Mit Ideen die Welt verändern

Jetzt habe ich mich vor kurzem dazu entschlossen, mal eine Rezension zu schreiben. Und hier folgt gleich schon die Nächste. Das bedeutet vor allem, dass es mir Spaß macht, meine Sicht auf die Bücher, die mich gerade interessieren an Sie und Euch weiterzugeben.

Und es macht wirklich Spaß, Bücher, die für eine andere Zielgruppe geschrieben sind, auf den Bereich der Sozialwirtschaft anzuwenden und zu überlegen, wo ein Mehrwert liegen könnte.

Heute geht es um das Buch „Rock Your Idea – mit Ideen die Welt verändern“ von Martin Gaedt. Das Buch ist im Juli 2016 im Murmann Verlag erschienen und somit noch ziemlich frisch. 

Hier können Sie das Buch übrigens direkt erwerben! 

Zusammenfassung

Auch hier wieder für die Schnellleser unter Ihnen:

Das Buch dreht sich um die Frage, „wie man ein Ideen-Rocker wird! “ Klingt erstmal komisch, ist aber tatsächlich so. So sind gute Ideen zwar überall irgendwie vorhanden: Jeder scheint Ideen zu haben und meistens haben die guten Ideen die anderen.

Wie wird man aber selbst wirklich kreativ und kommt auf die wirklich guten Ideen? Hierzu liefert Martin Gaedt einen „Ideen-Rhythmus“, der dazu führt, dass der Mythos des „Geistesblitzes“ seinen Schrecken verliert. Es wird vielmehr deutlich, dass „Ideen-Fitness“ trainiert werden kann. Das Buch ist gespickt mit persönlichen Erlebnissen, greift aber auch Misserfolge auf und macht so sehr authentisch deutlich, dass vor allem Widerspruch und Neugier die wesentliche Basis für gute Ideen sind. wenn Ihr meinen Blog ein wenig verfolgt, dann wisst Ihr, dass gute Ideen aus meiner Perspektive gerade in Organisationen der Sozialwirtschaft dringend gebraucht werden.

Aufbau   

Der Aufbau des Buches orientiert sich konsequenterweise an dem „Ideen-Rhythmus“: Es beginnt mit einer kurzen Einführung, in dem der „Ideen6-Parcours“ vorgestellt wird.

Anschließend werden die einzelnen Stationen des Parcours Schritt für Schritt durchgegangen: Vom Rahmen, in dem sich Ideen entfalten können, über die Zutaten, die für erfolgreiche Ideen unbedingt notwendig sind, dem Mixen seiner eigenen Ideen zu „Diamanten“, die es zu finden gilt, über deren Schliff bis hin zur Frage des Mehrwerts, den die Idee der jeweiligen Zielgruppe bieten soll.

Die einzelnen Schritte werden ausführlich erläutert und mit konkreten Methoden, Tipps und Tricks und anschaulichen Beispielen hinterlegt. Bei dieser nüchternen Darlegung der einzelnen Schritte könnte man denken: „Oh nein, schon wieder ein Buch, dass in den XY Schritten erklären will, wie man denn die Welt verändern und endlich aus seiner Lethargie herausfindet!“

Aber: Das Buch ist anders. Dazu aber mehr im nächsten Schritt.

Feedback

Mein Exemplar… #anregend

Bei der letzten Rezension habe ich geschrieben, dass es Quatsch ist, Feedback immer so zu geben, dass zunächst die positiven Seiten dargestellt werden, bevor dann auf Kritikpunkte eingegangen wird. Hier fällt es mir jedoch ehrlich gesagt wirklich schwer, die negativen Aspekte herauszustellen…

Mist, also doch zuerst das Positive 😉

Ideen in sechs Schritten 

Wer glaubt, dass er im stillen Kämmerlein mit Abarbeitung der sechs von Martin Gaedt beschriebenen Schritte des „Ideen-Rhythmus“ die weltbewegende Idee findet, die alles und jeden mitreißt, der wird bitter enttäuscht.

Aber: Wie sollte es auch anders sein?

Martin Gaedt macht mit einer in jedem Satz spürbaren Begeisterung deutlich, dass es so einfach nicht ist.

Ideen brauchen, das ist für mich ein wesentliches „Learning“ aus dem Buch, in jeder Ideenphase eine analytische Seite sowie eine offene Seite, A und O, oder O und A, und immer wieder hin und her.

Ideen brauchen einen permanenten Wechsel zwischen Struktur und Chaos, zwischen Geschlossenheit und Offenheit, zwischen Zielen, die klar definiert sind, und einer Vision, die groß und offen ist für die Zukunft. Es ist einfach, sich in seinem stillen Kämmerlein Ideen auszumalen: Wenn ich dies und jenes gründen würde, dann würde ich damit die Welt verändern. Da kann ich lange und intensiv in meiner offenen Kreativwelt verharren, ohne auch nur einen Schritt weiter zu kommen. Erst wenn auch die analytische Seite, die A-Seite, mit hinzugezogen wird, kann es möglich sein, dass die Idee laufen lernt.

Andererseits, und auch das ist enorm wichtig, gilt es in Phasen der Offenheit, Ideenpflänzchen nicht sofort zu töten. In Phasen der Offenheit, der Suche, der Spinnerei muss diese Spinnerei überhaupt erst zugelassen werden. Nur so kann man eine Menge „Ideen-Zutaten“ finden, die dann in einem nächsten Schritt gemixt werden können zu „Ideen-Diamanten“! Hin und her, A und O. Im Buch finden sich Tipps, Hilfestellungen und Methoden, wie der Wechsel zwischen den beiden Seiten funktionieren kann.

Unklar bleibt aber, woher die Ideen kommen.

Duschen allein hilft nicht, um auf die Zutaten für einen Haufen an Material zu gelangen, das dann zu neuen, tollen, funktionierenden Ideen zusammengemischt wird. Aber auch hier liefert „Rock Your Idea“ eine Art „Lösung“:

Das trainieren der „Ideenfitness“ gelingt über das Stellen von Fragen. 

Das ist nicht neu, aber: Es ist spannend zu sehen, wie sich der Blickwinkel verändert, wenn man versucht, in unterschiedlichen Situationen Fragen zu stellen. Zunächst einmal für sich selbst, an der Ampel, beim Frühstück, am Computer, im nächsten Meeting, beim Kaffee, am Nachmittag, Abend und im Bett: Warum ist dies und jenes so und so? Wie wäre es, wenn man dies mit jenem kombiniert? Was passiert, wenn ich X mit Y verbinde? Und so weiter!

Warum nicht zu Beginn einfach mal 44 Fragen zu einem bestimmten Themenbereich stellen? Warum nicht einfach mal überlegen, warum der Status Quo so ist, wie er ist?

Noch einmal:

Probieren Sie es einmal aus, es verändert den Blickwinkel und bringt Sie – genau! – auf neue Ideen! Nicht auf Lösungen, darum geht es hier aber auch nicht, sondern erstmal nur auf neue Gedanken! Und dann kommt wieder eine A-Phase. A und O, Offenheit und Analyse.

Rock Your Idea und Innovation in Organisationen der Sozialwirtschaft

Martin Gaedt stellt selbst eine Menge Fragen im Buch:

Wie muss sich Bildung ändern, um für die Anforderungen der Zukunft sinnhaft zu sein? Herrscht Fachkräftemangel oder Ideenmangel? Wie lassen sich unterschiedliche Disziplinen zu etwas Neuem, Zukunftsfähigen, verbinden?

Abgewandelt für die Sozialwirtschaft:

Welche Disziplinen ließen sich mit Sozialer Arbeit verbinden? Denkbar wäre doch eine Verbindung von Sozialer Arbeit mit bspw. Architektur, BWL, Jura, Informatik etc. Welche Bedürfnisse haben die Stakeholder der eigenen Organisation eigentlich wirklich? Welche Geschäftsmodelle lassen sich mit Organisationen der Sozialwirtschaft verbinden? Was lässt sich von Mc Donalds oder von der Bundeswehr oder vom Atomkraftwerk lernen?

Absurd?

Ja, genau. Darum geht es: Grenzen durch Fragen sprengen!

Ich habe selbst einmal versucht, 44 Fragen zur Zukunft der Sozialen Arbeit zu verfassen. Manche tiefergehend, manche oberflächlich, Manche offensichtlich, manche nicht.

Wann und wo aber finden sich Räume und Möglichkeiten in Ihrer Organisation, wo diese Fragen gestellt werden können, ohne das die „Ideenpflänzchen“ gleich wieder zertrampelt werden?

Wo findet sich die Offenheit, mit der Absurdität der Fragen, vielleicht auch der Naivität der Fragen, angemessen umzugehen? Wo im Alltag gibt es Zeit zum „Durchatmen“, zum Rumspinnen, zur Meditation? Eher kommt es mir so vor, als würde sich die Arbeit stetig weiter verdichten: Fehlende Fachkräfte führen zur Verdichtung der Arbeit führen zu schlechteren Arbeitsbedingungen führen zu fehlenden Fachkräften…

Für mich steht fest: Organisationen der Sozialwirtschaft brauchen innovative Lösungen, wenn sie ihren Zweck auch in der Zukunft angemessen verfolgen wollen. Hierzu bedarf es neuer Fragen. Hierzu bedarf es Versuch und Irrtum. Hierzu bedarf es dem Risiko, neue Wege zu gehen. Hierzu bedarf es O und dann erst, aber genauso zwingend, A.

Das Buch schließt mit dem Kapitel zum Mehrwert: Was bringt mir das? Erst wenn sich diese Frage für die jeweilige Zielgruppe gut und sinnvoll beantworten lässt, ist die Umsetzung der Idee gelungen. In einem meiner letzten Beiträge habe ich geschrieben, dass Innovation kein Selbstzweck sein darf.

„Die Frage der Nutzenstiftung für die Organisation (Prozessinnovation) bzw. den Nutzer (soziale Dienstleistungsinnovation) muss im Vordergrund stehen.“

Nutzenstiftung oder Mehrwert, es trifft wohl beides in etwa das Gleiche.

Fazit 

Gibt es denn eigentlich auch etwas Negatives? Was ist an „Rock Your Idea“ auszusetzen?

Naja, man könnte jetzt sagen: Oha, das ist aber nicht wissenschaftlich! Oder: Nene, darin finden sich aber in einer losen Aneinanderreihung irgendwelche Kreativitätsmethoden, die ja dann gar nicht vertieft beschrieben werden!

Das mag an der ein oder anderen Stelle so sein.

Aber:

Martin Gaedt liefert mit „Rock Your Idea“ ein flammendes Plädoyer dafür, Fragen zu stellen und diese Fragen und aufkeimenden Ideenpflänzchen, diese kleinen oder großen Spinnereien, dahin zu bringen, dass sie laufen lernen und am Ende vor allem der Nutzen, der Mehrwert der Innovation im Vordergrund steht.

Er liefert Anregung zum Neu- und Anders-Denken. Er liefert aber genauso viel Möglichkeiten, weiter zu lesen, zu denken und zu experimentieren und sich in die Thematik von Kreativität und Ideenentwicklung zu vertiefen.

Von mir also, auch und gerade aus einer professionellen Perspektive für Entscheider in Organisationen der Sozialwirtschaft:

Definitiv lesenswert!

Es bringt Sie auf neue Gedanken und lässt Sie aus dem Alltag ausbrechen, Grenzen im Denken überwinden und Innovationen aufkeimen!

Genießen Sie die Spinnerei und kommen Sie dann wieder von O zu A!

 

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