Selbstreflexion, oder die Zukunft der Arbeit in sozialen Organisationen

 

Über was schreibe ich hier eigentlich? Was ist der Sinn und Zweck? Wo soll es hingehen? Womit kann ich Euch und Ihnen einen hoffentlich akzeptablen Mehrwert liefern? Was ist das, oder noch spezifischer, was ist mein Thema?

Ehrlich gesagt bin ich auf der Suche nach dem eigentlichen Fokus des Blogs!  


Zukunftsfähige Organisationsgestaltung in Organisationen der Sozialwirtschaft  

Das war der erste Untertitel des Blogs.

Zukunft ist ein Aspekt, der mich fasziniert. Wie und wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft? Wohin entwickelt sich die Europäische Union nach so einem Brexit-Ergebnis? Welchen Einfluss haben Globalisierung, Digitalisierung, Individualisierung etc. auf unser Leben?

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Vor allem vor dem Hintergrund zumeist negativer Berichterstattung in den Medien, Nachrichten, auf den sozialen Plattformen, über unsere Gesellschaft – AFD, Brexit, Terror nur als wenige Schlagworte – war die Überlegung, dass es doch so eigentlich nicht weitergehen kann, oder?

Dann bin ich noch Papa von drei Kindern.

In welcher Welt sollen meine Kinder leben? Wie stelle ich mir eine, unsere, Gesellschaft vor, die zukunftsfähig ist? Was sind meine Werte, die ich leben will? Was sind die wirklich wichtigen Dinge, die ich meinen Kindern vermitteln will?

Und da kann ich – auch wenn es ein vielleicht sehr platter und vieldeutiger Begriff ist – Freiheit in den Vordergrund stellen: Die Freiheit, zu entscheiden, was gut und richtig ist, für einen selbst, für die Familie, für die Gesellschaft, für die Welt. Und die Freiheit von Angst, vielleicht einfacher als Mut zu bezeichnen: Mut, seinen Weg zu gehen.

Mir persönlich gelingt das oft begrenzt. Freiheit im Leben mit drei Kindern, Haus, Familie, Frau und Katze ist oft beschränkt. Aber das ist gut so. Und an dem Mut, eigene Wege zu gehen, arbeite ich schon lange…

Hinzu kommt dann mein beruflicher Background als Sozialarbeiter auf der einen und als Referent für Qualitätsmanagement im Kontext von hochschulischer Bildung auf der anderen Seite: Wohin entwickelt sich das Bildungssystem? Wohin entwickelt sich das Studium der Sozialen Arbeit? Ich habe dann ein weiterbildendes Master-Studium „Sozialmanagement“ begonnen. Ziel war die Verknüpfung von wirtschaftlichen mit sozialen Themen. Wie funktionieren Organisationen allgemein? Wie funktionieren Organisationen der Sozialwirtschaft im Besonderen?

Zusammenführend dann die Feststellung, dass die Verknüpfung gesellschaftlicher Entwicklungen mit den notwendigen Entwicklungen von Organisationen der Sozialwirtschaft teilweise in Richtungen verlaufen, die zwar sehr parallel, aber alles andere als gut sind.

Angefangen von (teilweise) mieser Bezahlung über Arbeitsbedingungen, die sich radikal verdichten und damit nicht wirklich menschenwürdig sind bis hin zu demographischen Entwicklungen, die im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens zu enormen Problemen führen werden. Als Reaktion darauf die Feststellung, dass individuelle und organisationale Freiheiten eher eingeschränkt werden mit dem Glauben, Kontrolle würde Vertrauen vorausgehen. Und von organisationaler Seite auch fehlender Mut, Dinge zu versuchen, die gegen den Mainstream gerichtet sind, oder ganz einfach: fehlender Mut, auch Dinge zu probieren, die nicht als Prozess im QM-Handbuch festgelegt sind. Das trifft selbstverständlich nicht auf alle Organisationen zu!

Zukunftsfähigkeit im organisationalen Kontext fokussiere ich zusammenfassend auf ein Menschenbild, dass Freiheit und Mut in den Mittelpunkt stellt. Die Frage also: Wie lassen sich die Organisationen der Sozialwirtschaft zukunftsfähig gestalten?

Potentialentfaltung in Organisationen der Sozialwirtschaft? 

Der nächste Untertitel des Blogs!

Potential? Möglichkeiten? Entfaltung?

Ja, auch das hängt mit dem oben genannten zusammen: Im Zuge der Beschäftigung mit zukunftsfähigen organisationalen Möglichkeiten bin ich zu der festen Überzeugung gelangt, dass (gerade) Organisationen der Sozialwirtschaft ein wahnsinniges Potential haben, neben der Bearbeitung gesellschaftlicher Problemlagen als deren Hauptzweck auch unsere Arbeitswelt positiv zu gestalten.

So hat die Sozialwirtschaft aus volkswirtschaftlicher Perspektive eine enorme Relevanz und damit sowieso schon eine große Bedeutung für die Arbeitswelt.

Darüber hinaus bin ich der Überzeugung, dass die Art der Zusammenarbeit, die Grundprämissen von Organisationen der Sozialwirtschaft einen wesentlichen Teil dazu beitragen können, Arbeit in unterschiedlichen Branchen neu zu denken, besser, positiver zu gestalten.

So bin ich der Überzeugung, dass die im Kontext der Diskussionen um Arbeit 4.0, New Work, oder wie auch immer man die aktuellen Entwicklungen in Bezug auf unsere Arbeitswelt nennen will, aus meiner Perspektive vornehmlich diskutierten Prinzipien die grundlegenden Prinzipien der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft sind.

Dazu noch mal kurz: Laloux definiert für radikal anders funktionierende Organisationen vornehmlich drei wesentliche Prinzipien:

a) Selbstorganisation, b) Sinn und c) Ganzheitlichkeit

Zu a): Selbstorganisation bedeutet, dass alle Mitglieder der Organisation alle Entscheidungen selbst treffen können, sofern sie sich 1. den Rat der von der Entscheidung Betroffenen und 2. den Rat der Experten in der jeweiligen Angelegenheit eingeholt haben. Ein wesentlicher Aspekt ist hier die Transparenz und der Zugang zu Informationen, auf deren Basis Entscheidungen getroffen werden können.

Zu b): Sinn bedeutet, dass die Organisationen, in denen die genannten Prinzipien funktionieren, einem klaren Sinn, einen Unternehmenszweck folgen, der für alle Mitglieder der Organisation verständlich, einleuchtend und sinngebend ist. Dabei geht es nicht nur um die „Weltverbesserung“, auch bspw. der Zweck der Schaffung von Arbeitsplätzen in einer bestimmten Region kann sinnstiftend wirken. Mit klaren, auf den Sinn ausgerichteten, freien Entscheidungen aller Mitarbeiter wären bspw. Zielvereinbarungen hinfällig.

Zu c): Ganzheitlichkeit bedeutet, dass „der ganze Mensch“ mit all seinen Emotionen, Zweifeln, Gedanken etc. die Organisation mitgestaltet. Eine Kultur der Offenheit und Akzeptanz entsteht.

Davon ausgehend, dass

  • Organisationen der Sozialwirtschaft ein normativ-ethisches Anspruchsgruppenkonzept, oder einfacher: einen Zweck verfolgen, der sinnstiftend ist („Helfen“ oder wie auch immer) und
  • das Professionelle in der Sozialen Arbeit über ein Menschenbild der „Ganzheitlichkeit“ aufgrund ihrer Profession verfügen (sollten) und
  • darüber hinaus in der täglichen Arbeit immer wieder eigenverantwortlich, selbstgesteuert, idealerweise vor dem Hintergrund einer professionellen Haltung, mit entsprechendem Wissen und Kompetenzen agiert und reagiert werden muss,

ist anzunehmen, dass Organisationen der Sozialwirtschaft „eigentlich“ ein Ideal einer neuen Arbeitswelt verkörpern.

Jedoch leider nur eigentlich!

Die Realität in den Organisationen sieht oft anders aus.

Organisationale Fragen, die sich mit der Weiterentwicklung der Art der Zusammenarbeit befassen, stehen in der Sozialwirtschaft nicht im Vordergrund. Und dies, obwohl sie wesentliche Bedeutung für die Zukunft eines für betroffene Menschen aber auch, volkswirtschaftlich betrachtet, relevanten Wirtschaftszweigs haben. Viel eher ist der Ruf nach strengerer Regelung, nach mehr „Qualitätssicherung“, nach mehr Vorgaben von rechtlicher Seite zu vernehmen. Mehr Kontrolle eben, weniger Selbststeuerung und damit Vertrauen.

Hier sehe ich – wie gesagt – enormes Potential, (wieder) dahin zu kommen, zur „eigentlichen Identität von Organisationen der Sozialwirtschaft“ zurückkommen zu können, wenn wir dies wollen. Sinn macht es auf jeden Fall…

Zukunftsfähigkeit braucht Innovation

Dazu habe ich in den letzten Monaten meine Master-Thesis verfasst.

Die Grundfrage lautete in etwa:

Wie lässt sich die Innovationskompetenz von Organisationen der Sozialwirtschaft trotz begrenzender Rahmenbedingungen steigern? Wie lassen sich Innovationsbarrieren überwinden, auch wenn keine Gelder zur Verfügung stehen?

Hier geht es erstmal nicht um die Frage, wie sich Innovation – ein echtes Buzzword – definieren lässt. Es geht auch nicht um die Ergebnisse der Arbeit. Damit werde ich Euch noch früh genug behelligen… 😉

Hier geht es erstmal um die Einordnung in die Gesamtausrichtung des Blogs. Und auch hier wieder die Ausrichtung auf die Vorüberlegungen und die Feststellung: Zukunftsfähigkeit braucht Innovation!

Veränderung, teilweise radikale Veränderung, in unterschiedlichsten Richtungen, Innovation organisationsintern, Innovation mit Blick auf das Dienstleistungsportfolio der Organisationen, Innovation mit Blick auf die Beteiligung der Anspruchsgruppen der Organisationen…

Wie gesagt, zu den Ergebnissen später mehr…

Und jetzt?   

Gibt es einen Kern, auf den sich das Ganze fokussieren lässt? Gibt es eine Fragestellung, und damit vielleicht auch einen Bereich, in dem sich dieser Blog positioniert?

Konkret genug, um sich nicht in den Weiten der Sozialwirtschaft zu verlieren, gleichzeitig aber auch breit genug, um die Vielfältigkeit sozialer Arbeit (und meiner Interessen) nicht einzuschränken?

Ein Bereich, der Freiheit und Mut als Grundprämissen ansieht, der die Zukunftsfähigkeit von Organisationen der Sozialwirtschaft und deren Möglichkeit zur Potentialentfaltung umfassen könnte?

Ehrlich gesagt bin ich – die Vorüberlegungen voraussetzend – auf eine ziemlich lapidare Ausrichtung gestoßen:

Die Zukunft der Arbeit in sozialen Organisationen! 

Boahhhh, echt mal, da labert der Epe erst ewig rum, Werte, Politik, Gesellschaft, Kinder und Familie… Und dann sowas…

Ja, ich gebe es zu: eigentlich ziemlich einfach, oder?

Aber, darum geht es doch:

Wie wird die Arbeit der Zukunft in Organisationen der Sozialwirtschaft in Verbindung mit den sich abzeichnenden gesellschaftlichen Entwicklungen aussehen?

Und wie lässt sich dies so gestalten, dass – natürlich subjektiv geprägt – die Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft, sinnvoll, nachhaltig, zukunftsfähig ist? Wie lässt sich das Potential von Organisationen der Sozialwirtschaft entfalten, so dass Arbeit in diesen Organisationen in Zukunft nicht nur angemessen bleibt, sondern diese Organisationen, der gesamte Bereich der Sozialwirtschaft, sich dahin entwickeln, dass es besser wird?

Dazu bedarf es Freiheit und Mut!

Dazu bedarf es radikaler Innovation, aber auch kontinuierlicher Weiterentwicklung! Dazu bedarf es der Entfaltung der in den Organisationen sowie der im Gesamtsystem liegenden Potentiale. Und davon gibt es noch eine ganze Menge.

Also, liebe Leserinnen und Leser,

Langer Rede, kurzer Sinn: Der Fokus des Blogs wird auf “die Zukunft der Arbeit in Sozialen Organisationen“ fokussiert.

Wo hier übrigens echte Probleme liegen, könnt Ihr direkt mal im Blog der Bertelsmann-Stiftung lesen:

Arbeit 4.0 – Kein Thema für die Sozialwirtschaft? 

Ob es für immer dabei bleibt? 😉

Bin gespannt auf Eure Rückmeldungen!

 

 

 

 

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Nützliche Online-Ressourcen zum Thema frühe Bildung – Teil 3: Blogs | Fachgespräch Frühe Bildung

  2. Hey Petra,

    ich finde, du hast die technische Leistung meisterlich gelöst 😉

    Ganz lieben Dank Dir für die Literaturempfehlung! Ich werde gleich morgen schauen, wo ich das Buch besorgen kann…

    Und du hast Recht: das Themenspektrum ist so breit, dass eine zu enge Fokussierung eher schwierig ist… Bin gespannt, wo es mich hintragen wird!

    Dir noch einen guten Restsonntag und

    liebe Grüße

    Hendrik

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