Brauchen wir Social Innovation Labs?

Innovation Labs

Wenn man sich mit Fragen der Innovationsfähigkeit von Organisationen befasst, stößt man unweigerlich auf Innovation Labs. Teilweise sind dies – insbesondere in produzierenden Unternehmen – F+E-Abteilungen, also Abteilungen, die für die Forschung und Entwicklung neuer Produkte zuständig sind. Teilweise sind dies auch sog. „Innovation Labs“ oder „Innovation Hubs„. Der kreativen Namensgebung sind da keine Grenzen gesetzt. Mit Blick auf soziale Organisationen, aber auch mit Blick auf die meisten Verbände der freien Wohlfahrtspflege findet man diese „Abteilungen“ nicht. Aber: Brauchen nicht auch soziale Organisationen entsprechende Abteilungen, Labs, Hubs? 

Ich greife mit dieser Diskussion eine Diskussion (wieder) auf, die von Sabine Depew bereits vor einiger Zeit angestoßen wurde. Sabine schreibt in ihrem sehr lesenswerten Beitrag, dass es digital und analog einen Ort braucht, „wo Trends beobachtet, neue Technologien entwickelt und soziale Innovationen erprobt und erforscht werden.“

Da ich dazulerne (langsam zwar, aber immerhin), will ich meine Gedanken zu diesen „Abteilungen“ oder auch zu einem „Social Innovation Lab der Sozialwirtschaft“ hier erneut, diesmal verändert, darlegen.

Ich werde dazu kurz darauf eingehen, warum Innovation gerade für die Sozialwirtschaft zunehmend relevant wird, werde dann die Vor- und Nachteile entsprechender Abteilungen erläutern und – sozusagen als Fazit – meine – leicht revidierte – Meinung zur Frage, ob soziale Organisationen Innovationsabteilungen o.ä. brauchen, darlegen.

Warum überhaupt Innovation in der Sozialwirtschaft

Dass im Jahr 2017 diese Frage nicht nur gestellt werden kann, sondern gestellt werden muss, zeigt, dass eine Auseinandersetzung mit Innovation in der Sozialwirtschaft noch nicht da ist, wo sie aus meiner Perspektive sein müsste.

Ein diesbezüglich schrecklich eindrückliches Erlebnis hatte ich diesbezüglich letzte Woche mit einem Studierenden der Sozialen Arbeit, der – am Ende seines Studiums – die Bedeutung von Forschungsergebnissen, die Bedeutung von Empirie in der Sozialen Arbeit mit den Worten abtat: „Ich will doch mit den Menschen arbeiten, da interessiert mich dieses ganze Forschungszeug nicht!“ Ich hab mich zunächst mit ihm rumgestritten, dann aber festgestellt, das Überzeugung manchmal einfach nicht fruchtet…

OK, Forschung muss jetzt nicht unbedingt direkt etwas mit Innovation zu tun haben. Aber Forschung dient – so zumindest meine Auffassung – auch dazu, neue, gesicherte Erkenntnisse zu gewinnen, die wiederum zu neuen Anwendungen, Dienstleistungen, Produkten etc. für die Nutzerinnen und Nutzer der Sozialen Arbeit werden können – sogenannte Produktinnovationen.

Forschung kann aber auch zu vielen weiteren Innovationsarten beitragen: zu Prozessinnovationen, also Innovationen innerhalb von Organisationen, zu Geschäftsmodellinnovationen, zu sozialen Innovationen oder auch zu organisationalen Innovationen (neue Formen der Zusammenarbeit und Organisationsgestaltung).

Für die Sozialwirtschaft sind alle genannten Innovationsarten relevant: Neue Dienstleistungen natürlich, um den Zweck der Organisation weiterhin erfüllen zu können, Prozessinnovationen natürlich, um die Arbeit in den Organisationen neu, anders, besser gestalten zu können, Geschäftsmodellinnovatinen natürlich, um neue Wege in der Ausgestaltung des Geschäftsmodells der Organisation gehen zu können (erinnert sei hier nur an internetbasierte Plattformen im Kontext ambulanter Pflege) und soziale Innovationen natürlich, um die Gesellschaft als Ganzes weiter und vor allem positiv entwickeln zu können. Und das Thema der innovativen Organisationsformen ist immer relevant – wie wollen wir arbeiten?

Die Frage „Warum überhaupt Innovation“ lässt sich aber auch über die aktuell größten Herausforderungen für Führungskräfte in Organisationen der Sozialwirtschaft beantworten. Zusammenfassend sind dies (ich zitiere):

  • „Finanzielle Einbrüche und Schieflagen müssen durch neue Geschäftsmodelle aufgefangen werden, die partizipativer und kollaborativer aufgestellt sind, als dies in der Vergangenheit der Fall war,
  • Die gute Zusammenarbeit mit anderen Akteuren über Sektorengrenzen hinweg muss eingeübt werden
  • Im Dritten Sektor muss ein innovationsfreundliches Klima geschaffen werden. Derzeit ist dieses nicht überall vorhanden, so dass es erheblich an neuen Ideen fehlt. Intrapreneure sollten unterstützt werden: „there is a need to liberate innovators“ (Hodges/Howieson , 74)
  • Es muss mehr in die Führungskompetenz der bestehenden und nachwachsenden Führungsgeneration investiert werden. Auch braucht es mehr Möglichkeiten für Partizipation
  • Die politische und gesellschaftliche Legitimation der Dritte-Sektor-Organisationen ergibt sich durch die veränderten Verhältnisse nicht mehr automatisch, wie dies in der Vergangenheit der Fall war, sondern muss gezielt hergestellt und gefördert werden.“

Das Ganze ist das Ergebnis eines Beitrags mit dem Titel „challenges of leadership in the third sector“ (in: European Management Journal 35) vom Februar 2017. Die Übersetzung und eine Erläuterung dazu findet sich bei Brigitte Reiser, von der ich auch das obige Zitat „geklaut“ habe. Ich habe die Herausforderungen bereits in einem Artikel zum Thema Managementinnovation aufgegriffen.

Innovation? Kein Thema!

Ich habe jedoch mit Blick auf die Organisationen, ach, die Soziale Arbeit insgesamt (sehr pauschal), eher das Gefühl, dass sich diese im Angesicht der gesellschaftlichen Transformation oftmals nicht aktiv verhält, Innovationen nicht aktiv angeht, die Umsetzung neuer Ideen nicht aktiv fördert.

Vielmehr wird mit großer Kraft versucht, die sich mit der Transformation ergebenden Chancen nicht zu erkennen und ein „Früher war alles besser“ zu beschwören.

Hinzu kommt, dass die Funktionssysteme, von denen die Organisationen der Sozialwirtschaft abhängig sind – insbesondere das Rechts- und Politiksystem – versuchen, durch mehr vermeintliche Kontrolle, durch mehr Gängelung, durch mehr gefakte Wirkungsnachweise, durch mehr sinnlose QM-Aktivitäten versuchen, Kosteneinsparungen zu ermöglichen.

Die Mitarbeitenden in den Organisationen, die Professionellen, schreien nach mehr Geld, mehr Urlaub, mehr dies und jenes, um ihre Schmerzen zu lindern. Es werden die Symptome dieses zunehmend kranken Systems bekämpft. Ein diesbezüglich eindrücklicher Artikel aus dem Pflegesektor (der übertragbar wäre) findet sich hier.

Wie gesagt: Früher war alles besser!

Hier – und damit komme ich wieder zurück zur Ausgangsfrage – braucht es Innovation, und zwar so richtig.

Wir können vielleicht nicht das gesamte System von heute auf morgen auf den Kopf stellen. Aber durch neue Wege, durch Experimente, durch Entwicklungen in vielen verschiedenen Bereichen, durch Forschung, durch Innovation, können wir kleine Schritte weiter kommen hin zu wirkungsvoller, verbundener Sozialer Arbeit, hin zu einer Sozialwirtschaft, die wir uns wirklich, wirklich wünschen.

Innovation ermöglichen

Wie aber kann das mit der Innovation funktionieren? Ich habe dazu bereits des Öfteren hier geschrieben.

Entsprechend will ich mich auf die Frage fokussieren, ob eine Innovationsabteilung in sozialen Organisationen zur Umsetzung von Innovation gut und hilfreich ist.

Vorteile von Innovation Labs

Noch einmal: Es ist ziemlich egal, ob wir von Innovation Labs, Hubs, F+E-Abteilungen oder Innovationsabteilungen sprechen. Mir geht um explizit für das Thema „Innovation“ zuständige Organisationseinheiten.

Konkret sind MitarbeiterInnen in diesen Labs damit beschäftigt, Ideen zum Leben zu verhelfen, Ideen umzusetzen, da ohne die Umsetzung der Ideen nicht von Innovationen gesprochen werden kann.

Ich sehe folgende Vorteile entsprechender „Abteilungen“:

 Erfahrung mit Innovation

Das ist wohl der wesentliche Vorteil: Die Mitarbeitenden in den Abteilungen haben sich mti dem Thema Innovatin auseinandergesetzt. Sie kennen Wege und Möglichkeiten, wie aus Ideen Produkte und Dienstleistungen werden können. Sie kennen Fördertöpfe, die zur Finanzierung der Ideen anzapfbar sind. Die Mitrarbeitenden verfügen über Netzwerke, die für die Umsetzung der Ideen genutzt werden können. Die Liste möglicher Erfahrungen ließe sich noch lange fortsetzen. Aber es liegt auf der Hand: Wenn ich mich mit einem Thema lange befasse, damit arbeite, werde ich immer besser. So geht es den Innovationsabteilungen (hoffentlich) auch.

Klare Zuständigkeiten

Auch das ist klar, oder? Sie, als Mitarbeiter mit permanent guten Ideen, wissen, an wen Sie sich wenden müssen, damit Ihre Idee fliegen lernt. Dieser Punkt ist gar nicht so unrelevant, wie er zunächst erscheinen mag. So ist es oftmals so, dass in den Organisationen überhaupt nicht klar ist, wer für neue Ideen zuständig ist. Problematisch wird dies, wenn die Idee vom Vorgesetzten (leider immer noch meist Männer) nicht verstanden, abgelehnt, ignoriert, zumindest aber nicht angegangen wird. Die „Dienstwege“ verlangen es aber, den Weg über die Gruppenleitung, die Teamleitung, die Vorgesetzte, zu gehen. Die Dinnstwege sind aber zu lang und steinig für die zarte, neue Ideenpflanze. Sie wird zerrieben auf dem Weg durch die Institution. Damit das nicht passiert, sind klare Zuständigkeiten oftmals hilfreich.

Innovation in Strategie

Ein Teil, um als Organisation innovationsfähig zu sein, ist, Innovation in der Unternehmensstrategie zu verankern. Der Hintergrund ist klar: Nur wenn Innovation einen Platz auch in der Gesamtstrategie der Organisation einnimmt, sind die Verantwortlichen überhaupt darauf geeicht, neue Entwicklungen in den Blick zu nehmen. Und wenn jetzt eine eigene Abteilung, ein eigenes Lab eingerichtet wird, ist dies ein klares Statement für Innovation in der Organisation. Innovation ist wichtig, wird ernst genommen und angegangen. Das ist was!

Das Ohr nach außen

Organisationen haben immer das Dilemma zwischen Offenheit und Geschlossenheit zu bewältigen: Einerseits soll die Organisation so offen sein, dass sie Impulse von außen, aus der Umwelt wahrnehmen und verarbeiten kann. Andererseits soll die Organisation aber stabil funktionieren, die Wertschöpfung muss erhalten bleiben. In diesem Dilemma ist es hilfreich, wenn eine Organisation eine Abteilung hat, die sich mit der Offenheit befasst. Eine Abteilung, eine Organisationseinheit, die sich bewusst mit der Umwelt, neuen Entwicklungen und Trends befasst, diese aufnimmt und Umsetzungsmöglichkeiten überlegt. Damit bleibt auch die Wertschöpfung stabil.

Wahrscheinlich lassen sich noch mehr Vorteile anführen. Aber ich hoffe, das deutlich geworden ist, dass eine Innovationsabteilung, ein Innovation Lab, Vorteile haben kann. Gibt es aber auch Nachteile?

Nachteile von Innovation Labs

Wenn es Vorteile gibt, muss es auch Nachteile geben, oder? Hier mal ein paar Wesentliche:

Für Innovation bin ich nicht zuständig

Das ist wohl der wesentliche Nachteil! Kennen Sie diese ewigen Diskussionen darüber, wer in Ihrer Organisation für was zuständig ist? Ja, natürlich, diese Diskussion macht auch da Sinn, wo über Prozesse, also sich wiederholende Arbeitsabläufe gesprochen wird. Es macht keinen Sinn, die Zuständigkeit für die Abrechnung von Dienstreisen immer wieder neu zu verhandeln. In größeren Organisationen macht es auch wenig Sinn, jeden Mitarbeiter im Abrechnungssystem herumwurschteln zu lassen, ganz klar. Aber: Innovationen sind nicht wiederholbar. Logisch, oder? Sonst wären es ja keine Innovationen. Marcus Raitner schreibt, dass Innovation immer jenseits klarer Rollen entsteht, „dadurch dass begeisterte Menschen in einer Haltung der Großzügigkeit und Offenheit die Möglichkeiten der Vernetzung ausschöpfen und ihre zugestandenen Kompetenzen bewusst übertreten.“ Das heißt sehr verkürzt: Jeder ist individuell zuständig, wenn es darum geht, neue Wege zu gehen. Nicht nur die Ab-Teilung (das Beitragsbild ist grandios, nicht? 😉

Irgendwas mit Kultur

Irgendwas mit Kultur muss immer kommen, wenn Blogger, Berater, Innovation Evangelists, agile Manager Artikel schreiben. Kultur in Organisationen ist ganz wichtig. Qualitätskultur, Innovationskultur, Kulturkultur! Deswegen auch hier! Nein, natürlich kann man das auch ernsthaft sehen: Wenn Sie anstreben eine echte Innovationskultur zu entwickeln, macht eine Innovationsabteilung keinen Sinn. So entwickeln sich Organisationskulturen durch die in der Organisation vorherrschenden Strukturen, Prozesse, Rituale. Der Appell an die Mitarbeitenden, endlich mal innovativ zu sein, hilft nix! Sie müssen die Organisation öffnen (siehe oben – Offenheit und Geschlossenheit). Diese Öffnung erfolgt durch die Ermöglichung von Selbststeuerung. Diese Öffnung funktioniert nicht durch die Etablierung einer neuen Abteilung.

Und komplex noch dazu

Haben Sie auf den letzten Link im letzten Absatz geklickt? Nein? Müssen Sie auch nicht. Da geht es nur darum, dass die interne Komplexität steigt, wenn sich die Organisation öffnet. Konkret steigt die interne Komplexität, wenn bspw. Hierarchien abgebaut werden, Menschen selbst entscheiden dürfen und die Organisation dadurch „agiler“ wird. Um mit dieser gestiegenen Komplexität umgehen zu können, macht es keinen Sinn, in Abteilungen zu denken. Der Umgang mit gesteigerter Komplexität funktioniert am Besten durch Offenheit. Klingt komisch, ist aber so: Mehr Offenheit steigert die Komplexität, der wiederum mit mehr Offenheit und Selbststeuerung begegnet werden kann. Klar, oder?

Fazit

Mehr Punkte für eine Innovationsabteilung, oder? In einer Demokratie wäre es jetzt einfach: Mehr Stimmen dafür!

Mein Blog ist aber keine Demokratie, wo kämen wir denn da hin?! Oder anders: Ganz so einfach ist es nicht. Grundsätzlich aber hat sich meine Meinung von einer aufgrund der Nachteile klar ablehnenden Haltung gegenüber Innovation Labs oder Innovationsabteilungen leicht gewandelt.

Leicht gewandelt bedeutet, dass ich diesen „Organisationseinheiten“ nicht mehr komplett ablehnend gegenüberstehe. Dieser Wandel liegt aber weniger an den oben angeführten Vorteilen einer Innovationsabteilung.

Der Wandel begründet sich eher darin, dass die Innovationsfähigkeit von Organisationen der Sozialwirtschaft immer noch gering ausgeprägt ist. Auch das ist wieder sehr pauschal, logisch. Aber das ist hier ein Blog…

Digitalisierung als Innovationstreiber

Beispielhaft angeführt sei wiederum das Thema Digitalisierung. Hier werden sich in ziemlich sicherer Annahme Änderungen ergeben, die sich die meisten Geschäftsführer in sozialen Organisationen heute noch nicht vorstellen können. Es werden Umbrüche sein, die weit über die Prozessoptimierung hinausgehen. Umbrüche, die die Art der Zusammenarbeit auch in Organisationen der Sozialwirtschaft umkrempeln werden. Es werden neue Geschäftsmodelle auf den Sozial-Markt  treten, die heute noch nicht gedacht werden können. Und so weiter…Das alles wird Auswirkungen auf die Menschen haben, die Professionellen ebenso wie das ggf. auch komplett neue Klientel. Und die Verantwortlichen in sozialen Organisation fühlen sich alles andere als gerüstet…

Um somit auch nur halbwegs adäquat agieren (und nicht nur reagieren) zu können, bedarf es Innovationen in Organisationen der Sozialwirtschaft. Es macht Sinn, das Thema „Innovation“ auf der Agenda nach oben zu schieben.

Innovation Labs auf Trägerebene

Natürlich macht es jetzt als Kindergarten im Dorf XY keinen Sinn, eine eigene Innovationsabteilung einzurichten. Hier wäre nicht nur die Finanzierung etwas kompliziert. Hier wäre es auch schwierig, Pfarrer Klaus von der Notwendigkeit zu überzeugen.

Aber auf Ebene der Träger der Organisationen? Gegebenenfalls auch auf Ebene der Zusammenschlüsse von Trägern, wenn deren eigener Größe nicht ausreicht? Denkbar wären auch Kooperationen mit bereits bestehenden Coworking-Spaces und vieles mehr.

Damit wird das Thema „Innovation zu einem großen Thema. Und dann wird es auch möglich, dieses Kultur-Ding wieder in den Vordergrund zu ziehen. Und dann wird es möglich, die zukunftsfähige Entwicklung der Organisationen in die Hände aller Mitarbeitenden zu legen.

Und dann brauchen wir – irgendwann – keine Innovation Labs mehr:

Oder?


Zum Weiterlesen: 

7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. „Lohnen sich die Labs oder „drehen sich diese auch nur um sich selbst“? “

    Das scheint mir die Gretchenfrage zu sein! Worin bemisst sich das „Lohnen“ und hat das ‚um sich selbst drehen‘ was mit Erwünschtheit jeglicher Art, mit Populismus oder gar mit Ersatzhandlungen zu tun, die vom eigentlichen Ziel der Veränderung ablenken sollen – gerade damit man eben nichts verändert bzw. mitteilen kann ‚früher war eh alles besser, einfacher etc.

    Zentrale Fragen bei allen Innovations- und Impact-Diskussionen sollten sich a) um eine Verbesserung von Bedingungen des Sozialen Handelns und b) um sinnvolle Gestaltungen von Kooperationen der Sozialwirtschaft mit der sog. Realwirtschaft und der Zivilgesellschaft drehen. Das wäre mal ein Dreheffekt, der eine Zentrifugalkraft und keine zentripetalen Effekte erzeugt.

    Lesenswerter Beitrag zur Diskussion zur Verbesserung des Sozialen Handelns oder (im Negativen) ein Beispiel für die Resultate von jahrzehnte- bzw. jahrhundertelangem Beharrungsvermögen in der Sozialwirtschaft ist das Interview mit Raul Krauthausen in der ZEIT (http://www.zeit.de/karriere/2017-07/inklusion-karrier-behinderte-menschen-arbeit). Wenn sich Labs mit solchen Fragestellungen beschäftigen, haben wir schnell die Fragen nach Sinn und Zweck hinter uns gelassen. Sämtliche Expertise, diese Fragen zu beantworten, ist vorhanden. Worauf wird also gewartet?

    (Michael Auen)

  2. Lieber Herr Epe, ich hatte Ihnen ja noch eine zweite Reaktion nach meinem BMBF-Termin vom Mittwoch zugesagt. Angeregt auch durch den Beitrag von Hannes Jähnert kommt er nun:

    Danke auch für dessen Beitrag, den ich als „lebenslanger Sozialwirtschafts-Manager“ gerne zu ganz großen Teilen so unterschreibe und teile.

    Bis auf die zugespitzte Aussage „Soziale Innovation“ kommt von „Sozialer Arbeit“. Dem ist aufgrund meiner mehrjährigen Forschungserfahrung im Rahmen eines BMBF-Projekts „Soziale Innovationen in Deutschland“ nicht wirklich so. „Social Innovation“ als Ursprung ist mehr als „Innovation im Sozialen“, wo es tatsächlich immer schon innnovative Modellprojekte gab und zum Glück gibt.

    „Social“ meint „gesellschaftlich“, und nicht nur „sozial“. Und vor allem: Wir würden sonst all die social im Sinne von gesellschaftlich orientierten Start-Ups aus dem Digital-Technischen Umfeld (e-health, Biotech etc) aus dem Blick verlieren und ausgrenzen. Denn die haben erstmal nix am Hut mit sozialer Arbeit. Gleichwohl sind sie extreme wichtige Treiber/ Herausforderer der Innovationsbehäbigkeit der meisten etablierten Sozialunternehmer.

    Das ist auch meine unmittelbare Erkenntnis des Expertentermins im BMBF, wo ich die Freude hatte, zum Thema Social Innovation mit einer ganzen Reihe solcher SI-Start-Ups an einem Tisch zu sitzen. (z.B.https://fablab.berlin/de/)

    Mein Learning: Wir brauchen in der Sozialwirtschaft nicht nur Social Innoavtione Labs oder auch „Reallabore“ (ein gerade sehr hyper neuer Begriff der Wissenschaft-Community), sondern wir brauchen insbesondere den Austausch mit diesen „anderen“ Social Innovation-Entrepreneuren (am besten in gemeinsamen Projekte/Laboren/Labs…

  3. Zumindest haben wir im Rahmen unseres BMBF-Forschungsprojekts „Soziale Innovationen in Deutschland“ https://www.h-brs.de/de/isi/bmbf-forschungsprojekt-soziale-innovationen-deutschland damals an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht die Initiative http://socialimpact.eu/innovation-zum-quadrat wissenschaftlich evaluiert. Aber Sie haben recht, lieber Herr Epe: Das könnte und sollte noch viel mehr geschehen. Und Wirkungsmessungsinstrumente für Soziale Innovationen sind ebenfalls vorhanden: Siehe das Buch des Kollegen Volker Then vom CSI in HD: https://shop.schaeffer-poeschel.de/prod/praxishandbuch-social-return-on-investment.

  4. Lieber Herr Kopf,

    das Intra Lab ist ja auch explizit aus Initiativen für die Sozialwirtschaft hervorgegangen wenn ich das richtig gesehen hab. Jetzt gibt es aber auch noch die ganzen lustigen Initiativen der #SocEnt-Szene (bspw. http://socialimpact.eu/lab) Hierzu gibt es bislang nicht so viel, oder?

    Liebe Grüße

    Hendrik Epe

  5. Lieber Herr Epe, ja diese Wirkungsmessungen gibt es. Ein Beispiel ist https://intra-lab.de/, welches von Anfang an via Hochschule konzipiert und auch evaluiert wurde und wird. Hier war/ist der Ihnen ja bekannte Prof. Andreas Schröer (früher Evangelische Hochschule DA, jetzt Uni TR) federführend und wäre auch ansprechbar.

  6. Lieber Herr Prof. Zacharias,

    danke für Ihren Kommentar! Fraglich für mich ist, ob die „etablierten“ Träger der Sozialwirtschaft die Anstrengung unternehmen sollten, eigene „Labs“ zu etablieren. In dem Zuge stellt sich die Frage, ob es „Wirkungsmessungen“ in den bestehenden Labs der Social Entrepreneurship Community gibt? Wissen Sie da vielleicht was? Lohnen sich die Labs oder „drehen sich diese auch nur um sich selbst“? 😉

    Liebe Grüße

    Hendrik Epe

  7. Danke für diesen Beitrag. Es gibt ein Social Innovation Lab in Bonn: Das BonnLab. Darüber habe ich einen Vortrag gehalten an der TU Dortmund. Steht auch in dem verlinkten Bericht von Kopf und Schulze. Gerne lade ich Sie ein, diesen Lab zu besuchen und sich zu informieren.
    Prof. Dr. Christoph Zacharias

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